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Artikel der Nürtinger Zeitung
NT-OBERENSINGEN. „Wir werden Sie sehr vermissen“, hieß es unisono in den Ansprachen derjenigen, die mit Helmut Kling einen verlässlichen Gesprächspartner, einen einfühlsamen Chef oder einfach einen „coolen Rektor“ verlieren. Am Dienstag wurde der langjährige Rektor der Nürtinger Geschwister-Scholl-Realschule im Beisein von Oberbürgermeister Otmar Heirich, Bürgermeisterin Claudia Grau, Baubürgermeister Andreas Erwerle und vieler Schulleiterkollegen in den Ruhestand verabschiedet. Alle waren des Lobes voll. So voll, dass dem also Gefeierten nach eigenem Eingeständnis davon manchmal „eng in der Krawatte“ wurde.
Zunächst begrüßte Konrektorin Kirstin Gaßner die Gäste der Feier in der Halle der Friedrich-Glück-Schule in Oberensingen. Obwohl noch nicht allzu lange im Amt, wurde die rührige Pädagogin ihrer Rolle als Regie führende Moderatorin durchaus gerecht. Zweifel daran, dass der Eintritt in den Ruhestand die richtige Entscheidung für einen solchen Vollblut-Pädagogen wie Helmut Kling sein würde, äußerte Schulamtsdirektor Dr. Günter Klein angesichts der Leistungsfähigkeit zum Beispiel des eben gehörten Schulorchesters.
In seiner Ansprache ließ der Leiter der Nürtinger Schulbehörde des Öfteren durchblicken, wie ungern er den, wie er sagte, „Glücksfall für die Geschwister-Scholl-Realschule Helmut Kling“ ziehen lässt. Dessen Familie, so klein, sei in Neuffen seit mehr als 800 Jahren ansässig, womit er als Urgestein der Tälesgemeinde zu gelten habe. Kling habe seinen Heimatort lange Jahre als Sportler, Gemeinderat, stellvertretender Bürgermeister und, man höre und staune, als Friedensrichter.
Klings Arbeitsethos, seiner Verlässlichkeit und seinem unermüdlichen Einsatz sei es zu verdanken, dass die GSR in der Stunde des Abschieds sehr gut aufgestellt sei. „Wenn Sie an einen zweiten Karriere-Start denken“, ermunterte Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich den scheidenden Rektor, „dann sollten Sie unbedingt Diplomat werden“. Das Talent dazu habe er in vielen Verhandlungen mit Vertretern der Stadt als Schulträger bewiesen, nicht zuletzt, als es um den bevorstehenden Um- und Weiterbau des Schulgebäudes ging.
Heirich hielt ebenfalls nicht mit seinen Problemen hinter dem Berg, sich den „Schulleiter, wie ihn sich ein Schulträger nur wünschen kann“, als Ruheständler vorzustellen. Seit Kling 1986 als Konrektor an die damalige Neckar-Realschule II gekommen war, 1994 dann das Rektorenamt übernommen hatte, habe die Schullandschaft, so Heirich, einschneidende Veränderungen erfahren. Dennoch habe Helmut Kling nie vergessen, dass trotz all jener administra- tiver Zusatzaufgaben, die mit seinem Amt als geschäftsführender Leiter der Schulleiterkonferenz in Nürtingen verbunden waren, immer die Schüler im Mittelpunkt seines Denkens und Handelns zu bewahren.
Die dankten es ihm mit einer engagierten Theatervorstellung über eine wichtige Durchsage, deren Inhalt sich, bis sie – fünfmal weiterdelegiert – bei den Adressaten ankommt, in einer zur allgemeinen Heiterkeit beitragenden Weise verändert hatte. Auch die Auftritte eines jungen Pianisten und einer Tanztruppe fand allgemeinen Beifall, und so nahm es nicht Wunder, dass die Vertreter der Schülerschaft ihrem Rektor in ihrer Ansprache das wohl größte Kompliment machten, das einem Pädagogen heutzutage aus Schülerkreisen entgegengebracht werden kann: „Sie waren ein echt cooler Rektor.“
Auch von den Kollegen und Elternvertretern gab es großes Lob für den scheidenden Rektor, der das Herz immer auf dem rechten Fleck getragen habe und für jeden ein offenes Ohr hatte, der mit einem Problem auf ihn zugekommen sei. „Jetzt oder nie – und nicht irgendwann“ gaben ihm die Kollegen im Chor als Ratschlag mit auf den Weg „in die ganz großen Ferien“.
Als der so hoch Gelobte am Ende der Feierstunde selbst zu Wort kam, ließ er die Jahre seit seinem Eintritt in den Schuldienst 1973 kurz Revue passieren und bedankte sich bei allen Rednern und Wegbegleitern für deren Unterstützung. Insbesondere seiner Frau Leonore dankte er für ihre Geduld und dafür, dass sie ihm zuhause stets den Rücken freigehalten habe. Zwar schloss Helmut Kling seine Rede mit der Anmerkung, dass er doch ein wenig in Sorge hinsichtlich der Entwicklung des Schulsystems sei, sich persönlich aber auf die vielfältige Ausübungsmöglichkeiten seiner neu gewonnenen Freiheit freue.
Schulamtsdirektor Dr. Günter Klein entließ Helmut Kling in den wohlverdienten Ruhestand. heb
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